Darktable - eine Anmerkung

Als begeisterer Hörer eines bekannten Foto-Podcasts und als Linuxer war ich natürlich auf deren Darktable-Test gespannt. Das Ergebnis dieses Tests, der allerdings auf einem Mac durchgeführt wurde, war dann eher ernüchternd bis enttäuschend. Das kann ich nachvollziehen, vor allem wenn ein Programm abstürzt und/oder sich nicht flüssig bedienen lässt.
Ich selbst verwende Darktable nun schon ziemlich lange, sogar schon damals, als es auch unter Linux noch ständig abgestürzte! Aber es gibt meiner Meinung nach bei solchen Bewertungen eine völlig unterschiedliche Sichtweise, gerade zwischen Mac-, Windows- und Linux-Nutzern.
Als gelernter DDR-Bürger

war ich Anfang der neuziger Jahre von der damals für alle neuen Computertechnik begeistert. Da die finanziellen Mittel arg begrenzt waren, habe ich mich irgendwann mit Linux und Open-Source angefreundet. Und wer das vor zehn oder fünfzehn Jahren mitgemacht hat, erinnert sich an die Schmerzen. Ich war mir damals wie heute bewusst, dass ich von einem Programm, für das ich (viel) Geld bezahle, mehr erwarten kann. (Oder können sollte. Wobei sich diese Erwartungen so oft nicht erfüllten!) Andererseits ziehe ich heute wie damals den Hut vor den Leuten, die einfach aus Begeisterung ihr ganzes Wissen, ihre Energie und Zeit einbringen, um diese Open-Source-Programme zu entwickeln und allen kostenlos zur Verfügung zu stellen.
Inzwischen hat sich vieles verändert und verbessert. Ich komme mit meinen privaten Linux-Rechnern wesentlich besser klar als mit den Windows-PCs in der Firma. Auch ein Programm wie Darktable stellt mich voll und ganz zufrieden. In vielen Dingen ist vielleicht ein anderer Arbeitsablauf – neudeutsch Workflow – erforderlich bzw. ist man den schon gewohnt.
Die Workflow einmal zu ändern ist meines Erachtens nach die größte Hemmschwelle für die Anwendung eines neuen/anderen Programms. Ich kenne nicht wenige PC-Nutzer, die LibreOffice ablehnen, weil der eine ode andere Menüeintrag anders angeordnet ist als in MS Word etc. Dabei schreiben sie nur Texte, die man auch mit Vim schreiben könnte oder nutzen nur die Summenfunktion in Excel. Ich habe beim Ausprobieren neuer Software immer viel dazugelernt und deshalb habe ich heute keinerlei Berührungsängste mit all den neuen Entwicklungen.
Bei der Bildbearbeitung ist es sicher ähnlich. Die Funktionsvielfalt der verschiedenen RAW-Enwickler und Bildbearbeitungsprogramme ist erschlagend. Wer weiß diese Funktionen alle erschöpfend zu nutzen? Für den ambitionierten Hobbyisten stellt sich meiner Meinung nach die Aufgabe, sich mit dem Programm seiner Wahl so intensiv zu beschäftigen, dass er die ihn begeisternten Ergebnisse erzielt. Und das scheint ja auch so zu sein, sonst würden sich all die verschiedenen – und doch den gleichen Zweck erfüllenden – Programme nicht verkaufen.
Zurück zu Darktable: Inzwischen gibt es die Version 2.4. Diese bringt wieder zwei neue Filter mit. Das muss man nachlesen, die Anwendung muss man üben. Auf dem Youtube-Kanal MyGimpTutorialChannel findet man immer schöne Erklärungen. Die sind sicher nicht professionell, aber zeigen Möglichkeiten (in diesem Fall der Programme Gimp und Darktable) auf, die ich – meist aus Zeitgründen – nie entdeckt hätte. Auch auf Media4Linux findet man so manchen nützlichen Tipp.
Am Ende bleibt für mich nur ein Anspruch: Die Fotos müssen mir gefallen. Und denen, die sich damit in irgend einer Weise identifizieren können. Denn unter den unzähligen genial “geschossenen” und bearbeitetenden Fotos in den Weiten des Internets haben sie sonst keinerlei Relevanz.

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Kommentare

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Thanathan am :

Schön geschrieben. Ich empfand die Happyshooting 541 (https://happyshooting.de/podcast/2018/01/04/541-highspeed-pinkeln/) auch etwas … ja was… unfair ist falsch gesagt… komisch…

Klar muss jeder mit seiner Software klar kommen und es muss in jedes Workflow passen, doch ich bin selber begeisterter Darktable Nutzer (LInux Privat und Windows im Büro) und war etwas enttäuscht. Evtl hätte man dann noch ein paar Tage warten können bis die Mac Version online ist.

Wie auch immer, ich wollte nur einmal vermelden, das ich es genau so sehe wie in diesem Beitrag hier… smile

Christian Bär am :

Da bin ich ja doch nicht allein mit meinen Ansichten… wink

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